Windows Server 2016 – die Neuerungen

Von | 21. November 2016

Das Betriebssystem Windows Server 2016 kommt in komplexen Rechenzentren sowie in IT-Abteilungen von kleinen bis mittelgroßen Unternehmen zum Einsatz und ermöglicht mit seinem Funktionsumfang auch den Aufbau einer privaten Cloud. Es bietet aber vorrangig Unternehmen ein hohes Maß an Flexibilität und Skalierbarkeit. In puncto Sicherheit, Virtualisierung, Storage und Lizenzierung hat sich im Vergleich zum Vorgänger einiges geändert. Windows Server 2016 ist in folgenden Versionen erhältlich:

Essentials für kleine Unternehmen mit bis zu 25 Nutzern und 50 Geräten.
Standard für Umgebungen mit keiner oder nur geringer Virtualisierung.
Datacenter für hochgradig virtualisierte hybride Cloud-Umgebungen.

Die Essential Edition deckt mit den Grundfunktionen die Anforderungen eines kleinen Netzwerks ab. Im Vergleich zu den anderen zwei Versionen bietet Windows Server 2016 Essential eine eingeschränkte Ausstattung.
Windows Server 2016 Standard und Datacenter bieten mittleren bis größeren Unternehmen unterschiedliche Möglichkeiten der Virtualisierung und bauen auf den Grundfunktionen der Essential Edition auf.

Essential Edition – bewährte Funktionen im Überblick

Wie bereits bei den Vorgängern von Windows Server, bietet Microsoft wieder die sogenannte Essential Edition des Betriebssystems an. Diese richtete sich an Nutzer, die noch keine langjährigen Erfahrungen mit dem System sammeln konnten und nur auf Basisfunktionen angewiesen sind. Daher legt Microsoft bei der Essential Edition Wert auf eine vereinfachte Bedienung und eine Reduzierung der Komplexität. Die Verwaltung erfolgt über die Nutzeroberfläche, dem sogenannten Dashboard.
Erteilung von Nutzerrechten für Clientcomputer
Angebundene Clientcomputern können Zugriffsrechte auf freigegebene Inhalte des Servers erteilt werden. Selbstverständlich können die Clients Schreib- und Speicherrechte erhalten, um effektiv mit dem bereitgestellten Content arbeiten zu können. Auch eine Sicherung des gesamten Abbildes der PCs auf dem Server ist möglich. Natürlich können auch verschiedene Netzwerk-Administratoren mit diversen Ausprägungen angelegt werden.
Verwaltung von Verzeichnissen und Freigaben
Das Anlegen von Verzeichnissen, Ordnern und Dateien erfolgt über die Nutzeroberfläche von Windows Server 2016. Hier kann die Datenstruktur des Netzwerks erstellt werden. Den einzelnen Elementen können Attribute zugewiesen werden, welche die Zugriffsrechte definieren. Diese Einstellungen können auch im Nachhinein geändert und angepasst werden. Es ist möglich, unterschiedliche Benutzerkonten, zum Beispiel für verschiedene Abteilungen oder verschiedene Stellen, zu erstellt. Durch eine derartige Kategorisierung können neu angebundenen Nutzern schnell und effizient das benötigte Profil zugewiesen werden.
Gruppenrichtlinien im Netzwerk
Mithilfe von Gruppenrichtlinien können beispielsweise lokale Anwendungen der Nutzer auf Server umgeleitet werden. Die Nutzer bekommen von dieser Umleitung nichts mit, sie können ohne Einschränkungen wie gewohnt auf ihrem lokalen Computer arbeiten. Die umgeleiteten Dateien werden sicher auf dem Server gespeichert. Weiterhin ist eine Funktionsüberprüfung auf Sicherheitsmängel der Clientrechner möglich.

Windows Server 2016 Standard
Diese Version eröffnet dem Nutzer die Möglichkeit grundlegende Funktionen der Virtualisierung zu nutzen.
Windows Server 2016 Datacenter
Die Datacenter Variante bietet erweiterte Möglichkeiten der Virtualisierung und neue Speicherfunktionen.

Wesentliche Unterschiede zwischen Standard und Datacenter

Funktion Datacenter Edition Standard Edition
Grundfunktionalität von Windows Server Ja Ja
Betriebssystemumgebungen (OSEs) / Hyper-V-Container Unbegrenzt 2
Windows Server-Container Unbegrenzt Unbegrenzt
Nano Server Ja Ja
Neue Speicher-Funktionen, inklusive Storage Spaces Direkt und Speicher-Replica Ja Nein
Abgeschirmte virtuelle Maschinen und Host Guardian Service Ja Nein
Neuer Netzwerk-Stack Ja Nein

Server-Container
Die Server-Container definieren die nächst höhere Stufe der Virtualisierung. Sie stellen portierbare Betriebsumgebungen dar, die isoliert arbeiten. Die Container führen Anwendungen abgeschirmt, ohne den Rest des Systems durch. Windows Server definiert zwei Container-Typen:
Windows Server Container
Windows Server Container isolieren Anwendungen. Die Kernel werden hierbei zwischen Windows-Server-Container, Containerhost und den weiteren aktiven Containern geteilt.
Hyper-V-Container
Hyper-V-Container erweitern die Isolierung, sodass jeder Container auf einem optimierten, virtuellem Computer ausgeführt wird
Nano Server
Eine wesentliche Neuerung von Windows Server 2016 Datacenter und Standard sind die Nano Server. Sie eignen sich besonders für Web- und Cloud-Applikationen innerhalb von großen Rechenzentren. Mit den Nano Servern soll der Speicherbedarf verringert und der Schutz erhöht werden. Sie agieren zusammen mit den Windows Server Containern und können als Dateiserver genutzt werden. Es lassen sich wesentlich mehr virtuelle Server bereitstellen als mit Core-Servern.

Zusatzfunktionen von Windows Server 2016 Datacenter

Shielded Virtual Machines
Shielded Virtual Machines stellt ein Sicherheitskonzept in virtueller Umgebung dar. Es können geschützte, virtuelle Maschinen eingerichtete werden, die vor unautorisierten Zugriffen schützen.
Software Defined Networking (SDN)
SDN stellt ein Konzept zum Aufbau eines Netzwerks dar, bei dem die Software entkoppelt von der Hardware arbeitet. Nicht die Firmware des Herstellers bestimmt über die Verarbeitung eines Datenpakets, sondern unterschiedlich geschaltete Smart Switches. Mithilfe von SDN können die Verwalter eines Netzwerks schneller auf sich ändernde Bedingungen reagieren. Der Administrator kann den Datenverkehr über eine zentrale Steuerungskonsole verwalten und steuern, auch Priorisierungen von Switches ist möglich.
Storage Spaces Direct und Storage Replica
Windows Server 2016 Datacenter führt eine neue Technologie bei der Speicherung von Daten ein. Storage Spaces Direct erstellt Software-Defined-Storage-Lösungen und ermöglicht die schnellere und sichere Datenverfügbarkeit. Vorteilhaft auf das Handling von großen Netzwerken wirkt sich die vereinfachte Erhöhung des Speicherplatzes ohne erneute Freigabe und Kopiervorgängen aus. Der Speicher kann bedarfsgerechter und optimiert in die Serverstruktur eingebunden werden. Hierdurch können Kosten für Umbauarbeiten am Netzwerk sowie die Kosten der Hardware gesenkt werden. Dies geschieht alles im Hintergrund. Storage Replica erlaubt eine Vervielfältigung/Synchronisation zwischen Clustern oder Servern für Katastrophenvorsorge und Datenwiederherstellung.

Windows Server 2016 – Storage

Software Defined Storage (SDS)
Software Defined Storage (SDS) führt Speichersysteme zusammen
In Netzwerken befinden sich unterschiedliche Arten von Datenträgern, zum Beispiel NAS, SAN und lokale Festplatten. Diese werden zumeist getrennt voneinander betrieben. Die sich auf den einzelnen Speichersystemen befindlichen Daten müssen vom Administrator einzeln und unabhängig voneinander verwaltet werden. SDS verbindet alle Speicher in bestehenden Systemen miteinander. Eine zentrale Steuerung erlaubt die individuelle Aufteilung des virtuellen Speichers. Gleichwertige Attribute lassen sich gruppiert den jeweiligen Speichersystemen zuweisen. SDS Systeme haben eine integrierte Deduplizierungs-Funktionen, die Speicher-/Datenredundanzen erkennt und behebt. Somit wird wichtiger Speicherplatz freigegeben. Die eingehende Auseinandersetzung mit SDS eröffnet Administratoren neue Chancen, ihr Speichersystem schlanker zu machen und die Betriebskosten durch das Verhindern von Mehraufwand zu optimieren.
Storage Spaces Direct – einfache Speichererweiterung
Bei Windows Server 2016 macht sich Microsofts die Speichertechnologie Storage Space Direct zunutze. Diese Speicherlösung basiert auf virtuellem Speicher, dessen Ressourcen auf mehrere, physische Speicher ausgedehnt werden können. Die sogenannten Speicherpools (Storage Pools) stellen eine Art Sammelbecken dar, das von physischem Datenträger gespeist wird. Eine Speichererweiterung lässt sich dabei ganz einfach durch die Einbindung von weiterem, physischem Speicher realisieren. Der Vorteil von Storage Spaces Direct liegt unter anderem darin, dass bei diesem Vorgang keine erneuten Freigaben vonnöten sind und das Duplizieren von Daten entfällt. Dabei ist diese Methode der Speicherung jederzeit skalierbar und gegen Ausfälle geschützt. Die jeweiligen Massenspeicher müssen sich nun nicht mehr zwingend auf dem lokalen Server befinden, sie lassen sich auch an unterschiedliche Server anbinden. Dies ermöglicht Software Defined Storage neue Möglichkeiten. Die Hardware des Netzwerks muss in einigen Fällen für die effektive Nutzung von Storage Spaces Direct angepasst sein. Kompatible Netzwerkkarten mit RDMA Funktionalität.
Storage Replica – Absicherung durch Synchronisation
Windows Server 2016 nutzt die neue Disaster Recovery- und Bereitschaftsfunktionen in Storage Replica. Es bietet sicheren Schutz vor Datenverlust bei Daten auf verschiedenen Racks, innerhalb von Gebäuden oder sogar Städten. Nach einem Katastrophenfall sind alle Daten ohne Verlustmöglichkeit vorhanden. Replica bietet Ihnen die Möglichkeit, Workloads an sichere Standorte vor Katastrophen zu schalten. Es werden drei Szenarien in TP5 unterstützt: Stretch-Cluster, Cluster-zu-Cluster und Server-zu-Server. Sie können jetzt Stretchcluster über Netzwerken mit sehr hoher Latenz und niedriger Bandbreite konfigurieren.

Modifizierte Lizenzierungsmodelle für Windows Server 2016

Bei der Lizenzierung von Windows 2016 gibt es einige Neuerungen. Diese erfolgt nun nicht mehr pro Prozessor, sondern pro Prozessorkern. Dies wirkt sich insbesondere auf leistungsfähigen Rechnern aus, da diese somit zumeist mehrere Lizenzen benötigen. Die Lizenzierung von Zugriffsrechten (CALs) bleibt hingegen erhalten.

Bei der Lizenzierung gibt es jedoch noch weiteres zu beachten:

  • Jeder physische Prozessor wird mit mindestens 8 Kernen gewertet
  • Jeder physische Server wird mit mindestens 16 Kernen gewertet
  • Alle physischen und aktiven Kerne im Server müssen unter Berücksichtigung der Regeln 1 und 2 lizenziert werden, damit ein Standard Server zwei und ein Datacenter Server unlimitierte VM-Rechte (virtuelle Windows Server Instanzen) besitzt.
  • Um mit der Standard Edition zwei weitere VM-Rechte (virtuelle Windows Server Instanzen) zu erhalten, müssen alle physischen aktiven Kerne erneut lizenziert werden.

Ist Ihnen das alles zu kompliziert? Kein Problem! Nutzen Sie einfach den Lizenzkonfigurator von Microsoft unter:

https://www.windows-server-kompetenz-club.de/de/lizenzkonfigurator

Hier geben Sie ganze einfach Ihre Hardwarekonfiguration und Ihnen Virtualisierungsbedarf ein und Sie erhalten die Anzahl der zu lizenzierenden Kerne, welche dem physischen Server zugewiesen werden.

Die wesentlichen Vorteile von Windows Server 2016 im Überblick

  • Verbesserte Sicherheit
  • Flexible Virtualisierung bei verbesserte Stabilität und weniger Redundanzen
  • Kosteneinsparungen durch SDS
  • Standortunabhängige Cloud-Steuerung von Netzwerken
  • Vereinfachte Bedienung der Essential Edition

Zusammenfassung: für wen eignet sich welche Edition?

Windows Server 2016 Essential eignet sich für kleine Unternehmen mit Basisanforderung und kleiner oder keiner eigenen IT-Abteilung. Es bestehen keine Möglichkeiten für Virtualisierung. Die Standard Edition wendet sich an alle Unternehmen, die einen erweiterten Funktionsumfang benötigen und in kleinem Umfang virtualisieren. Die Datacenter Variante bietet großen Unternehmen, die zusätzliche Anforderungen an ihr Netzwerk stellen, ausgedehnte Möglichkeiten der Virtualisierung und neue Speicherfunktionen sowie unabhängiges Server Clouding.

Windows Server 2016 bietet, vor allem in der Standard und Datacenter Edition, Verbesserungen und erweiterte Möglichkeiten. Netzwerkstrukturen werden hierdurch noch komplexer, durch hochgradige Virtualisierung zugleich aber auch effizienter und sicherer. Durch neue Funktionalitäten eröffnen sich der Netzwerkstruktur von Unternehmen neue Möglichkeiten, die rechtzeitig von den verantwortlichen Netzwerkbetreibern erkannt und genutzt werden sollten. Windows Server 2016 ermöglicht Kosteneinsparungen bei Hardware, Personal sowie einen insgesamt effizienteren und störungsfreien Betrieb.

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