PC-Gehäuse – Eine Übersicht

Von | 12. Dezember 2015

Ein PC-Gehäuse besteht nicht nur aus vier (Seiten-)Wänden und einem Dach. Es ist ein umfassendes Gebilde, welches den Computer zusammenhält und ihm seine Form gibt. Durch das Gehäuse wird das gesamte elektronische Innenleben des PCs vor externen Einflüssen wie Flüssigkeiten, Staub, Dreck und ähnlichem geschützt. Innerhalb des PC-Gehäuses finden sich verschiedene Einlassungen, Slots und Öffnungen, die vorgeben, wo die einzelnen Rechnerkomponenten befestigt werden können. In manchen Gehäusen sind bereits ein Netzteil und ein oder mehrere Lüfter eingebaut. Das Netzteil ist oben oder unten eingesetzt, in moderne Tower werden schon ab Werk auswechselbare Staubschutzfilter verbaut, um den Lüfter des Netzteils vor Schmutz zu schützen. In den gängigen Gehäusen werden oft Halterungen angeboten, in die man zusätzliche Filter oder Lüfter einbauen kann, denn je nach Leistung des PCs reicht der integrierte Netzteillüfter zur Kühlung nicht mehr aus und es müssen weitere Komponenten eingebaut werden. Gekühlt werden müssen alle Bauteile, die bei der Benutzung Hitze entwickeln: Laufwerke entwickeln Wärme durch die mechanischen Bauteile, aber auch die CPU (der Prozessor) oder Grafikkarten strahlen Hitze aus und sollten gekühlt werden. Dazu werden kleine Lüfter an den Wänden des Gehäuses platziert und die Hitze von den Radiatoren nach außen geleitet.

Worauf man beim Kauf eines Gehäuses ebenfalls achten sollte, sind die Schnittstellen auf der Vorderseite. Bei früheren Gehäusen fanden sich USB-Schnittstellen nur auf der Rückseite, da heutzutage aber so gut wie alles über USB funktioniert, finden sie sich immer mehr auch auf der Vorderseite des Gehäuses. Gleiches gilt für Speicherkartenlesegeräte, z.B. im SD-Format. An der breiten Rückwand werden Hauptplatine und Steckkarten (z.B. Grafikkarte und Soundkarte) in den entsprechenden Auslassungen befestigt. Wer eine Wasserkühlung für seinen Computer nutzen möchte, findet die entsprechende Zufuhr ebenfalls auf der Rückseite. Hochwertige Geräte haben oft eine Doppelwand, hinter der die Kabel zum Mainboard geführt werden. Dadurch ist das Innenleben übersichtlicher und Komponenten können schneller ausgetauscht werden. In den Gehäusen gibt es meistens mehrere Einschübe für optische Laufwerke und Festplatten und manche haben spezielle „Festplattenkäfige“, welche den Vorteil bieten, dass mehrere Festplatten auf einmal herausgenommen werden können, ohne sie einzeln ausbauen zu müssen. PC-Gehäuse werden in unterschiedlichen Größen und Bauformen angeboten, die aber nach bestimmten Formfaktoren genormt sind (weit verbreitet sind ATX und Mini-ITX). Die Bauformen werden in Big Tower, Midi-Tower und Desktop-PCs unterteilt.

Casemodding – PC-Gehäuse in chic

PC-Gehäuse können individuell modifiziert und nach eigenen Wünschen mit Hardware bestückt werden. Das eigenständige Modifizieren des Gehäuses wird als „Casemodding“ bezeichnet, dabei wird das Innenleben nach eigenen Vorstellungen ergänzt, verändert und angepasst. Das umfasst sowohl rein optische als auch leistungsorientierte Veränderungen. Dabei ist es wichtig, sich im Voraus darüber zu informieren, welches Gehäuse am besten für die gewünschten Änderungen geeignet ist, denn nicht jedes Gehäuse bietet die gleichen Änderungsmöglichkeiten. Meist steht beim Casemodding das Verbessern der Leistung, die Geräuschreduzierung oder die Optimierung der Lüftung (für eine bessere Betriebstemperatur) im Vordergrund. Die entsprechenden Gehäuse besitzen meist schon passende Halterungen für solche Änderungen, z.B. Einbaurahmen für zusätzliche Lüfter oder Festplatten. Es können aber auch spezifische Änderungen vorgenommen werden, zum Beispiel kann eine Lüfter-Steuerung eingebaut werden, mit der sich einzelne Lüfter im Gesamtkomplex ansprechen und regeln lassen. Optische Veränderungen sind zum Beispiel die Nutzung von LEDs und Plexiglas, um den PC zu einem echten Blickfang zu machen. Sogar komplett eigene Gehäuse in kreativen Designs können entworfen werden – dabei sind der Fantasie keine Grenzen gesetzt.

Midi-Tower – Der zeitlose Klassiker

Die meistgenutzte Bauform ist ohne Zweifel der Midi-Tower (auch ATX-Gehäuse genannt). Gehäuse dieser Bauform sind nicht zu groß und stellen doch ausreichend Platz für alle wichtigen Komponenten bereit. Integrierte freie Schächte für Laufwerke und sonstige Speichermedien bieten außerdem Raum für Zusatzkomponenten. Das passende Mainboard mit ATX-Formfaktor liefert ebenfalls ausreichend Steckplätze für Steckkarten. Midi-Tower bieten meist leichten Zugang zu den Schnittstellen an der Vorderseite. Da die einzelnen Elemente in diesem Gehäuse recht nah beieinander liegen, ist die Kühlung ein wichtiger Aspekt bei Midi-Towern. Sie haben oft durchdachte Belüftungs- und Kühlungslösungen, die dafür sorgen, dass ein effektiver Luftstrom entsteht, der über alle wichtigen Hardware-Elemente geleitet wird. Dadurch wird die Abwärme abtransportiert und frische, kühle Luft strömt ein. Bei der Wahl des Gehäuses ist zu beachten, ob schon Lüfter im Gehäuse vorinstalliert sind, oder es die Möglichkeit bietet, integrierte Halterungen für zusätzliche Lüfter zu nutzen. Das Netzteil ist bei den meisten Midi-Towern bereits integriert, bei manchen Modellen muss es separat angeschafft werden.

 

Big Tower – Der große Alleskönner

Generell gilt: Je größer das Gehäuse, desto mehr Möglichkeiten zur individuellen Gestaltung bietet es. Deswegen sind die Big Tower (oder Maxi-Tower) vor allem für das Casemodding sehr beliebt. Wer genügend Stauraum hat und bei der Auswahl des passenden Gehäuses nicht auf die Größe achten muss, kann sich guten Gewissens für diese Gehäusevariante entscheiden. Sie bieten mehr Platz als ein Standard-Midi-Tower und dementsprechend einige Vorteile: Die einzelnen Komponenten müssen nicht so eng aneinander verbaut werden, was für eine bessere Luftzirkulation sorgt. Dadurch können die Komponenten ohne lästige Lüftergeräusche kühl gehalten werden. Natürlich kann der interne Platz auch optimal ausgenutzt werden, indem weitere, extrem leistungsfähige Hardware verbaut wird. Dann wird zwar eine zusätzliche Kühlung notwendig, doch auch diese findet Platz in den Big Towern. Zusätzliche Kühlungsmechanismen, wie Lüfter oder eine Wasserkühlung, können eingebaut werden, um Hitzeprobleme zu vermeiden. Auch übertaktete Hardware kann dadurch effektiv kühl gehalten werden.

Solche Big Tower, wie zum Beispiel Modelle von Corsair, sind also vor allem für Bastler interessant – es können aber auch komplett ausgestattete Big Tower erworben werden. Damit kommt auch auf seine Kosten, wer nicht die nötige Geduld oder Zeit dafür hat, sich einen Tower individuell zusammen zu stellen.  Big Tower punkten vor allem durch die große Vielfalt an Anschluss- und Speicheroptionen und können im Büroalltag oder zu Hause genutzt werden.

big-tower

Desktop-PCs – Klein und kompakt

Desktop-PCs liegen flach auf dem Tisch und benötigen durch ihre kleine und schmale Bauweise wenig Platz. Ihre Größe sorgt dabei für Vor- und Nachteile: Ein Vorteil ist, dass sie kaum Platz benötigen und die Geräuschentwicklung sehr gering ist, da keine Lüfter verbaut sind. Andererseits ergibt sich genau daraus ein Problem, denn durch den internen Platzmangel muss über Kühlalternativen wie eine Passivkühlung nachgedacht werden, um ein Überhitzen zu verhindern. Damit die Hardware möglichst wenig Abwärme produziert, werden meist Mikro-ATX-Mainboards und nur die wichtigsten Hardware-Elemente eingesetzt. Desktop-Gehäuse werden oft für HTPC-Varianten (Home Theater Personal Computer) im Wohnzimmer genutzt und besitzen daher meist eine Fernbedienung mit Infrarot-Schnittstelle. Solche Mediencomputer funktionieren wie klassische PCs und können andere Mediengeräte wie DVD-Player, CD-Spieler und Videorekorder ersetzen und auf zusätzliche Software zugreifen. Solche Geräte im Desktop-Format sind vor allem für den Office- und Multimedia-Betrieb geeignet, für herausfordernde Aufgaben sind größere Gehäuse mit mehr Hardware-Optionen zu empfehlen.

 

Der Formfaktor von Gehäuse und Bauteilen

Neben den von außen recht einfach erkennbaren Größenunterschieden definiert sich ein Gehäuse auch über den Formfaktor: Diesen kann man von außen zwar erahnen, er ist aber vor allem für das Innenleben relevant. Der Formfaktor (einfacher gesagt: das Format) ist ein genormter gemeinsamer Nenner, auf den sich Hersteller bei verschiedenen Bauteilen geeinigt haben, damit diese besser zusammen passen und man sie leichter austauschen kann. Zu diesen Bauteilen zählen neben dem Gehäuse die Hauptplatine (Motherboard), das PC-Netzteil und optionale Komponenten wie Laufwerke. Der Formfaktor beschreibt nicht nur die Größe, sondern zusätzlich die genormten Befestigungsmöglichkeiten. Damit sind Anzahl und Position der Bohrlöcher am Bauteil und am Gehäuse für die Verankerung gemeint. Größere Gehäuse sind meist ebenfalls kompatibel mit kleineren Standards. Beim Motherboard legt der Formfaktor außerdem fest, wie die einzelnen Komponenten darauf angeordnet sind. Die wichtigsten und meistgenutzten Formfaktoren sind ATX und Mini-ITX.

Mikro-ITX

ATX

Der Formfaktor ATX (Advanced Technology Extended), wurde 1996 eingeführt und ist bis heute der gängigste Formfaktor bei PCs und Desktop-Computern. Mit einer Abmessung von 305x244mm ist das Motherboard recht groß, dafür bietet es ausreichend Platz für zusätzliche Komponenten, die E/A-Komponenten sind dabei auf der Hauptplatine fest integriert. Bei ATX ist ein weiterer Vorteil, dass das Netzteil intern über eine Spannungssteuerung koordiniert wird. Der Einschaltknopf ist an das Mainboard angeschlossen und nicht an das Netzteil an sich. Dadurch kann man den Rechner schnell und auf verschiedene Arten aus dem Stand-By rufen, zum Beispiel durch die Tastatur, oder durch Befehle über das Netzwerk. Ein Nachteil dabei ist, dass der Rechner im Stand-By-Modus immer noch Strom verbraucht.

Mini-ITX

Mini-ITX (Integrated Technology Extended) bezeichnet besonders kleine Hauptplatinen mit einer Abmessung von nur 170x170mm. Solche kleinen Mainboards haben weniger Features als die mit größeren Formfaktoren. Zu Markteinführung hatten die Mini-ITX-Motherboards noch einen fest verbauten VIA-Prozessor, welcher zwar passabel war, aber für manche Aufgaben, z.B. grafiklastige Anwendungen nicht ausreichend war. Heute lassen sich aber ohne Probleme Mehrkern-Prozessoren wie Intel i7 Core in solche Mainboards integrieren, welche hohe Leistung liefern. Da nicht jedes Mainboard in diesem Formfaktor einen zusätzlichen PCIe-Slot für eine Grafikkarte hat, sollte auf eine leistungsstarke Grafikeinheit geachtet werden. Durch diese Möglichkeiten kann man auf kleinstem Raum effektive und leistungsstarke Systeme mit hoher Arbeitsgeschwindigkeit entwerfen. Sie werden mehr und mehr in Multimedia-Komponenten wie Podcast-Empfängern eingesetzt. Neueste Varianten dieser kleinen Motherboards verfügen dabei bereits über HDMI 1.4- und USB 3.0-Schnittstellen, zum Beispiel die Gigabyte 7 Mini-ITX-Serie

Aufgrund der geringen Größe haben sie zwar weniger Rechenleistung als ihre größeren Verwandten, aber genau das machen sie sich zum Vorteil: Sie sind klein, produzieren weniger Abwärme sind durch den geringeren Energieverbrauch deutlich stromsparender. Damit kann ein System zusammengestellt werden, das bei minimalem Stromverbrauch maximale Leistung aufweist. Je nach gewünschtem Anwendungsgebiet sind Rechner im Mini-ITX-Formfaktor eine ausgezeichnete Alternative zu normalen PCs. Sie werden oft in so genannte „Thin Clients“ verbaut, also Computern, die nicht viel Rechenleistung benötigen, weil sie sich nur auf wenige bestimmte Aufgaben konzentrieren und der Rest vom entsprechenden Server erledigt wird. Vor allem da die Servertechnologien immer weiter voranschreiten, wird dieser Formfaktor immer bedeutender. Neben der Anwendung im Wohnzimmer in HTPCs werden sie dank ihrer hohen Leistung und der kleinen Größe auch in Computerterminals von Rechenzentren, Workstations in einem Netzwerk mit Datenservern oder einfach als pure Benutzerschnittstelle eingesetzt. Namhafte Hersteller sind z.B. Asus, Fujitsu, Gigabyte und Intel.

Ein noch kleinerer Formfaktor ist Nano-ITX, welcher mit einer Abmessung von nur 120x120mm kleiner als ein DIN A5-Blatt ist, also nur halb so groß wie DIN A4.  Mainboards dieser Größe werden zum Beispiel in Autocomputern verbaut, oder in Unterhaltungsgeräten wie Fernsehern, Festplattenrecordern oder in HTPCs. Sie werden vor allem dann  genutzt, wenn man viel Leistung auf wenig Platz braucht. Sie sind weniger für gängige Desktop-PCs geeignet, eher als individuelle Lösung.

 AMOS-2000 mit Nano-ITX board

 

Es ist also bei der Anschaffung eines neuen PC-Gehäuses wichtig, worauf der persönliche Schwerpunkt gelegt wird, denn abhängig davon kommen verschiedene Varianten infrage. Bei der Bauform spielt es vor allem eine Rolle, wie viel Platz das Gehäuse einnehmen darf. PCs für das Wohnzimmer sind meist kleiner und kompakter als Büroversionen. Je größer das PC-Gehäuse, desto mehr Möglichkeiten der Modifikation bietet es: Man kann starke Hardware mit kraftvoller Luft- und Flüssigkeitskühlung kombinieren, um maximale Leistung zu erreichen. Bei den kleineren, platzsparenden Formaten kann man schon heute mit Mini-ITX erstaunliche Arbeitsgeschwindigkeiten erreichen, was auch kleine PCs sehr leistungsstark macht.

Viele Gehäuse haben einen spezifischen Schwerpunkt, zum Beispiel optimale Geräuschdämmung durch integrierte Vibrationsdämpfung und schallabsorbierende Materialien – oder intelligente Designs für einen optimalen Luftströmungspfad und gute Kühlung. Wiederum andere konzentrieren sich auf Leistungsfähigkeit und Funktionalität – oder auf ein Erscheinungsbild, das sich entweder in das Umfeld einfügt oder als besonderes Highlight daraus hervorsticht.

Je nach persönlichen Vorlieben kann man sich seinen PC selbst zusammenstellen oder sich für ein bereits komplettes Modell entscheiden. Der Shop von Jacob Elektronik bietet neben vollständigen  PCs auch eine große Auswahl an Zusatzteile für das Umbauen solcher PC-Gehäuse, z.B. verschiedene Gehäuselüfter, Dämmsets usw.

 

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4 thoughts on “PC-Gehäuse – Eine Übersicht

  1. Johannes

    Sehr informativer Beitrag hat mir sehr weitergeholfen, ich hätte jedoch eine Frage. Du hast geschrieben, dass ATX den Vorteil hat, dass man aufgrund der auf dem Mainboard integrierten Spannungssteuerung den PC schnell über über verschiedene Wege aus dem Stand By holen kann. Ist dies bei den kleineren Standards nicht möglich? Also bei Mini-ITX zum Beispiel? Würde mich über eine Antwort freuen, da ist mir gerne einen PC in diesem Format zusammen stellen will.
    MfG Johannes

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  2. Simon

    Sehr schöner Blog der das Thema der PC-Gehäuse gut zusammenfasst. Leider haben mir im Text die Mini-Gehäuse gefehlt, wie Phil es bereits gesagt hat. Trotzdem ist der Blog informativ und wird bestimmt Leuten helfen, die sich nicht mit dem Thema auskennen 🙂

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  3. Gehäuse

    Ich schätze mal für den Otto-Normal Verbraucher wird der Midi-Tower vollkommen ausreichen 😉

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  4. Phil

    Sehr schöner Beitrag zum Thema PC Gehäuse! Vielleicht könntest du ja noch auf die Normungen E-Atx oder XL-Atx eingehen, hier kenne ich mich auch noch nicht aus. Ansonsten könntest du noch die Gehäuse Form „Mini-Gehäuse“ aufführen. Mir gefällt dein Stil sehr gut, macht weiter so!

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