Modernisierung der Netzwerkinfrastruktur – hat Kupfer ausgedient?

Von | 20. Mai 2016

In den Wahlkampagnen aller Parteien wird ein Thema hoch gehandelt: die Modernisierung der deutschen Netzwerkinfrastruktur. Insbesondere die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) hatte bei ihrem Landtagswahlkampf einen Hauptschwerpunkt auf den Netzausbau innerhalb des Bundeslandes gelegt. Das Ziel sei es, langfristig bundesweit komplett von den Kupferkabeln weg zu kommen und ausschließlich auf die Glasfasertechnologie zu setzen. Ist dieser Plan ohne weiteres realisierbar und wo liegen die gravierenden Unterschiede zwischen den beiden Technologien?

Netzwerkkabel – die Verbindung innerhalb der Netzwerkinfrastruktur

Qualitativ hochwertige Netzwerkkabel (Patchkabel) spielen inmitten von Netzwerken eine immense Rolle. Erst durch sie kann ein schneller und reibungsloser Datenverkehr vonstattengehen. Auch in Zeiten drahtloser Übertragungstechniken kommt ein professionelles Netzwerk nicht ohne das entsprechende Kabel aus. Im Gegensatz zu Funkverbindungen leiten abgeschirmte LAN-Verbindungen elektrische Signale wesentlich effizienter, störungsärmer und schneller, zudem sind sie abhörsicher. Der Ausbau des deutschlandweiten Netzes per Funkverbindung steht also nicht zur Debatte, gleichwohl aber wie und wann die Kabeltechnik erneuert werden soll und auf welche Technologie gesetzt werden wird.

Das Kupferdrahtkabel – günstig aber leistungsschwach?

Allgemein verbindet ein Netzwerkkabel den Computer mit einem Netzwerk um Daten auszutauschen. Beim Kupferdrahtkabel geschieht dies – wie der Name es bereits verrät – über spezielle Kupferdrähte. In den sogenannten Twisted-Pair-Kabeln befinden sich acht verdrillte Kupferadern, die parallel nebeneinander unter einer Ummantelung verlaufen. Das Kupferkabel hat einen entscheidenden Vorteil gegenüber dem Kabel aus Glasfaser: es ist wesentlich günstiger in der Anschaffung. Die Kosten eines großflächigen Netzwerkumbaus mittels Glasfaser sind hoch; hier könnte der Bund Milliarden sparen, wenn weiterhin Kupferkabel zum Einsatz kommen würden. Auch in Sachen Leistung können die Kupferkabel derzeit noch mithalten. Ein Problem sind jedoch die Entfernungen, die mit derartigen Kabeln überwunden werden können. Moderne und qualitativ hochwertige Kabel können, ohne Verlust der Datenübertragungsrate, bei weitem nicht mit den Glasfaserkabeln mithalten. Die Kabel aus Kupfer sind in der Regel auch störanfälliger, beispielsweise sind Verlegungen neben anderen, stromführenden Kabeln problematisch.

Glasfasertechnologie – die Zukunft?

Mithilfe von optischen (Glasfaser-) Netzwerkkabel versucht man weitere Strecken ohne Qualitätsverlust zu überwinden. Das optische Netzwerkkabel setzt nicht auf Kupfer, sondern arbeitet mit Lichtwellenleitern. Optische Kabel aus Glas oder Kunststoff bieten einige Vorzüge gegenüber den Kupferdrahtkabeln. Sie kommen besser mit Störungen klar und können direkt neben Stromkabeln im Kabeltunnel liegen. Auch Stromschwankungen können ihnen nichts anhaben, sogar Blitzeinschlägen können diese trotzen. Die Kabel sind sehr dünn und robust, haben eine sehr klare Datenübertragung und sind abhörsicherer. Einer der wesentlichen Vorteile hinsichtlich eines flächendeckenden Ausbaus sind die weiten Entfernungen, die überwunden werden können. Moderne Glasfaserkabel, die sogenannten Monomode-Kabel, sind theoretische in der Lage über eine Strecke von bis zu 200 Kilometern Daten zuverlässig zu übertragen. Sie sind besonders dünn und bieten sehr hohe Übertragungsraten.

Deutschlands Internet – vergleichsweise lahm

Um sich ein Bild darüber zu machen, wie schnell unser Internet wirklich ist, hier der Vergleich:

Die schnellsten Internetnetze weltweit für das Quartal 4 2015 (Quelle: statista)

Platz Geschwindigkeit in Mbit/s
1 Südkorea 26,7
2 Schweden 19,1
3 Norwegen 18,8
4 Japan 17,4
5 Niederlande 17,0
6 Hong Kong 16,8
7. Schweiz 16,7
8 Lettland 16,7
9 Finnland 16,6
10 Dänemark 16,1
22 Deutschland 12,9

Deutschland liegt offensichtlich weit abgeschlagen auf den hinteren Rängen. Besteht dringender Handlungsbedarf?

Telekom Chef hat Bedenken

Der deutsche Telekom Boss Niek Jan van Damm äußerte sich skeptisch bezüglich eines breit angelegten Ausbau mit Glasfaserkabeln. Dieser sei angesichts der unangemessenen Kosten noch nicht realisierbar. Er hält es eher für sinnvoll, die Kupferdrahttechnologie auszureizen, denn nicht jeder Kunde benötige derart hohe Geschwindigkeiten. Derzeit werden bereits viele Glasfaserkabel verlegt, ganz Deutschland auf zu buddeln, um Glasfaser auszulegen, sei  aktuell nicht nötig. Einem langfristigen Ausbau schnellerer Verbindungen blickt er jedoch etwas zustimmender entgegen. Jeder Haushalt solle bis Ende 2018 auf einen 50 MB/s Anschluss zugreifen können.

Ausblick

Die Regierung versucht den Ausbau des Hochgeschwindigkeitsinternets voranzutreiben. Ohne eine schnellere Netzwerktechnik sei Deutschland zukünftig nicht mehr wettbewerbsfähig, denn andere Staaten seien uns schon weit voraus. Demgegenüber argumentiert das Monopol-Telekommunikationsunternehmen mit einem Mehrwert, der jedoch mit unverhältnismäßig hohen Kosten schwer erkauft werden müsse. Aus Sicht des Konzerns bestünde schlichtweg zu wenig Bedarf, die Nachfrage generiert bekanntlich das Angebot. Dieser Bedarf an Hochleistungsverbindungen ist tatsächlich, vor allem beim Privatmann, nicht zwangsläufig gegeben. Eine engstirnige Abwehrhaltung rein auf Basis von Kostengesichtspunkten kann allerdings auf längerer Sicht den Fortschritt hemmen. Gerade Unternehmen und Forschungseinrichtungen sind an die Anpassungsfähigkeit und den technischen Wandel eng gebunden. Ein kleiner Schritt in die richtige Richtung könnte hier das geplante „Diginetz-Gesetz“ begründen. Denn dieses sieht vor, dass bei neuen Straßen- und Hausbauten Glasfaserkabel mitverlegt werden sollen. Das erscheint sinnvoll, denn bei Umgrabungen von Straßen bietet es sich geradezu an, die Kabeltechnik zu erneuern. Somit würde der bundesweite Ausbau beschleunigt und die Technik mittelfristig dem Bedarf der Endkunden angepasst werden.

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